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23 Februar 2012

Beschwerde gegen Holcim bei der OECD in der Schweiz eingereicht

Die indische Gewerkschaft der Leiharbeiter in der Zementindustrie (PCSS) hat gestern in Delhi an einer Pressekonferenz über eine OECD-Beschwerde gegen Holcim informiert. Die Beschwerde ist nun beim Seco hängig. Mit ihrer Klageschrift gegen den Zementmulti will die indische Gewerkschaft den Konzern dazu bringen, Gewerkschaftsrechte und Mindestlöhne einzuhalten.

Holcim präsentiert sich in der Schweiz gern als Vorzeigeunternehmen und behauptet, dass «höchste ethische Standards» («the highest level of ethical standards») eingehalten würden. Doch Holcim setzt die eigenen Versprechen längst nicht überall um: In den indischen Holcim-Zementwerken ACC Limited und Ambuja Cement Limited verletzt der Konzern die Grundrechte von Arbeitern massiv. Deshalb hat die Gewerkschaft der Leiharbeiter in Indien PCSS beim OECD-Kontaktpunkt in der Schweiz Klage gegen das Unternehmen eingereicht.

Verstösse gegen OECD-Richtlinien
Die indische Gewerkschaft PCSS fordert von Holcim die Einhaltung der OECD-Richtlinien und der selbst deklarierten Grundsätze im Umgang mit den Beschäftigten. Konkret geht es um vier Verstösse gegen international anerkannte Kernarbeitsnormen:

  • Verweigerung des sozialen Dialogs mit der lokalen Gewerkschaft (PCSS)

  • Diskriminierung der Leiharbeiter bezüglich Löhnen sowie Gesundheitsschutz

  • Missachtung des Rechts, sich gewerkschaftlich zu organisieren

  • Verletzung der Menschenrechte der lokalen Bevölkerung


  • Gewerkschaft der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter ausgegrenzt
    Holcim weigerte sich bislang, mit der lokalen Gewerkschaft der Leiharbeiter zu verhandeln. Die Unternehmensleitung versucht mit allen Mitteln, die Temporärangestellten davon abzuhalten, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Nach Auskunft der Arbeiter schreckt das Unternehmen nicht einmal davor zurück, Kündigungen auszusprechen und Aktivisten fälschlicherweise Straftaten anzulasten. Ein Gewerkschaftsaktivist ist deshalb seit Mai letzten Jahres im Gefängnis.

    Rekordprofit in den Zementwerken
    Obwohl die Leiharbeiter die gleichen Arbeiten wie Festangestellte verrichten, erhalten sie deutlich tiefere Löhne und schlechtere Sozialleistungen. Holcim missachtet mit diesem Vorgehen den Grundsatz «gleicher Lohn für gleiche Arbeit». Über 75 Prozent der Angestellten in den zwei angesprochenen Zementwerken sind Temporärbeschäftigte.
    Bauern, welche für den Bau der Zementwerke grosse Landflächen verkauft haben, warten noch immer vergeblich auf die vereinbarte Entschädigung in Form einer Festanstellung beim Konzern. Das Ziel von Holcim ist klar: Der Konzern will den Rekord-Profit in den beiden Werken weiter erhöhen.

    Unia fordert internationales Rahmenabkommen
    Die Gewerkschaftsföderationen Bau- und Holzarbeiter/-innen (BHI) und der Chemie-, Energie-, Bergbau- und Fabrikarbeiterinnen (ICEM) fordern gemeinsam mit der Unia von Holcim den Abschluss eines Internationalen Rahmenabkommens, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, bzw. sozialpartnerschaftliche Lösungen zu ermöglichen. Die Gewerkschaft Unia ist Mitglied beider Föderationen und unterstützt die indischen Gewerkschaften im Kampf für faire Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft Unia begrüsst, dass Holcim mit BHI und ICEM kürzlich vereinbart hat, dass die zwei indischen Zementwerke von einer Delegation der Gewerkschaften und des Konzerns besucht werden und sich der Konzern verpflichtet hat, erstmals Gespräche mit der Kontraktarbeitergewerkschaft PCSS zu führen. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums von Holcim diesen April hat der Konzern die Möglichkeit zu beweisen, dass die Selbstverpflichtung des Konzerns zu «Corporate Social Responsibility» ernst gemeint ist.