Gelbe Karte für FSC wegen Nicht-Aufnahme der Arbeitnehmerrechte in Produktkettenzertifizierung

19 October 2017 02:06

 

Die Wirtschaftskammer des Forest Stewardship Council (FSC) sprach sich bei einer Abstimmung in der 8. FSC-Generalversammlung im kanadischen Vancouver gegen die Aufnahme der Arbeitnehmerrechte in die FSC-Standards zur Produktkettenzertifizierung aus. Die Wirtschaftskammer, die sich aus Zertifikatsinhabern zusammensetzt und eng mit Prüfern und Zertifizierungsgremien zusammenarbeitet, begründete ihre Entscheidung damit, dass die Aufnahme der Arbeitnehmerrechte zu kostspielig und technisch nicht durchführbar sei. Die aus zahlreichen Vertretern bestehende BHI-Delegation, die ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm, stellte sich dieser Position vehement entgegen.

Der Antrag 50 zur „Stärkung der Sozialrechte innerhalb der Produktkette“ fordert die Aufnahme von Vorschriften für Arbeitsstandards, die sich auf die ILO-Kernarbeitsnormen stützen. Dazu gehören Mindestlöhne für Industriearbeiter, die Nicht-Diskriminierung von Frauen im Beruf und in der Ausbildung, sowie die zentralen Arbeitnehmerrechte auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen. Der Antrag war von der BHI, der Europäischen Föderation der Bau- und Holzarbeiter (EFBH) dem internationalen Gewerkschaftsdachverband Union Network International (UNI) und der schwedischen Gewerkschaft der Arbeitnehmer im Forst- und Graphiksektor vorgelegt worden.

“Die vehemente Ablehnung der Aufnahme der Arbeitnehmerrechte in die Standards für Produktkettenzertifizierung seitens der FSC-Wirtschaftskammer ist für die BHI ein Alarmsignal. Die Aufnahme dieser Rechte hätten den FSC-Standards mehr Kohärenz und Schlüssigkeit verliehen,“ so BHI-Präsident Per Olof Sjoo, der die Gewerkschaftsdelegation bei der FSC-Generalversammlung anführte. 

“Da die Arbeitnehmerrechte bereits in die FSC-Forstmanagementstandards und in die Internationalen Generischen Kriterien und Indikatoren (IGI) integriert sind, hätte die FSC-Generalversammlung die Chance ergreifen können, um ihre Standards für die Produktkettenzertifizierung auf einen „Goldstandard“ anzuheben. Anstelle dessen haben sich die Arbeitgeber leider zur Diskriminierung der Arbeitnehmer entschieden,“ betont Sjoo.

Im Gegensatz zu der vehementen Ablehnung des Antrags 50 seitens der Wirtschaftskammer, erklärte die Sozialkammer den Antrag zu ihrer wichtigsten Priorität und sagte rückhaltlose Unterstützung zu. Auch in der Umweltkammer fand der Antrag eine breite Zustimmung. Im Verlauf der Beratungen kam Missstimmung hinsichtlich der formalen Abläufe auf, die sowohl die Mitglieder der BHI-Delegation wie auch die Vertreter der Sozialkammer mit Besorgnis erfüllte. Als Reaktion zeigte die Sozialkammer dem FSC durch die die folgende Erklärung die gelbe Karte: „Wie im Fußball üblich, zeigen wir der Wirtschaftskammer die gelbe Karte.”

Diese soll als Warnsignal dienen und sie dazu auffordern, im Sinne einer Lösungsfindung einen fairen und konstruktiven Dialog mit der Sozialkammer aufzunehmen.“ Als Zeichen ihrer Empörung über den fragwürdigen Beratungs- und Abstimmungsprozess im Hinblick auf den Antrag 50, gab die BHI bei der Eröffnungsveranstaltung am zweiten Tag der Generalversammlung eine öffentliche Erklärung ab.

 

So erklärte der BHI-Regionalvertreter für die Region Asien-Pazifik, Apolinar Tolentino: „Die BHI respektiert das Ergebnis der im Rahmen der FSC-Generalversammlung durchgeführten Abstimmung. Allerdings möchten wir offiziell zum Ausdruck bringen, dass uns die Beratungen im Zusammenhang mit dem Antrag 50 sowie der Abstimmungsvorgang darüber mit großer Sorge erfüllen.”  

Trotz der Ablehnung des Antrags 50 wird sich die BHI weiterhin dafür einsetzen, dass das Handelssystem für den Holz- und Forstsektor insgesamt gerechter wird. Sie wird sich weiter dafür engagieren, dass die Rechte aller Arbeitnehmer, die die Abläufe innerhalb Produktkette erst möglich machen, darin entsprechend Berücksichtigung finden. Der Kampf für die Einbindung der Arbeitnehmerrechte in die FSC-Zertifizierungssysteme wird nun auch an der Basis geführt werden.

You can read the full statement here.