Gewerkschaften empört über die plötzliche Kehrtwende von LafargeHolcim

12 January 2018 00:31

 

Globale und nationale Gewerkschaften, die die bei LafargeHolcim beschäftigten Arbeitnehmer vertreten, bringen ihre Empörung über die einseitig getroffene Entscheidung des Unternehmens zum Ausdruck, von der geplanten Unterzeichnung eines globalen Rahmenabkommens zurückzutreten. Dieses zielte darauf ab, die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern im gesamten Unternehmen zu verbessern. 

Das Unternehmen nannte keine Gründe für den radikalen Kurswechsel im Hinblick auf die im Rahmen der Aktionärsversammlung des vergangenen Jahres angekündigten und genehmigten Entscheidung, sich zur Unterzeichnung eines globalen Rahmenabkommens zu verpflichten. LafargeHolcim führt lediglich die mit der Einführung eines neuen CEO einhergehende Änderung der Unternehmensstrategie an. So sei dieser der Ansicht, dass die internen Bestimmungen den Anforderungen des Unternehmens entsprechen, ohne dass weitere Ergänzungen erforderlich seien. 

Die Unterzeichnung des globalen Rahmenabkommens sollte am 10. Januar 2018 am Sitz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unter dem Vorsitz des ILO-Generalsekretärs erfolgen. Im Juli 2017 hatten Vertreter der obersten Führungsebene von LafargeHolcim gemeinsam mit der globalen Gewerkschaftsföderation IndustriALL Global Union sowie der Bau- und Holzarbeiter Internationalen (BHI) eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sich das Unternehmen zur Unterzeichnung des Abkommens verpflichtet hatte. 

Am 22. Dezember 2017 hatte LafargeHolcim allerdings entschieden, von der Unterzeichnung des globalen Rahmenabkommens zurückzutreten, obwohl es weiterhin im gesamten Sektor die schlechteste Bilanz im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz aufweist. 

IndustriALL Global Union, die BHI, die Europäische Föderation der Bau- und Holzarbeiter (EFBH) sowie der Europäische Betriebsrat gaben im Rahmen einer Dringlichkeitssitzung am 9. Januar in Genf eine deutliche Stellungnahme zur Absage des Unternehmens im Hinblick auf die Unterzeichnung des globalen Rahmenabkommens ab. Darin brachten sie ihre Empörung und ihre Wut darüber zum Ausdruck, dass sich das Unternehmen einseitig aus der gemeinsamen Entscheidung für den Aufbau einer Struktur des sozialen Dialogs innerhalb des Konzerns zurückgezogen hat. 

So sind nationale, europäische und globale Gewerkschaftsverbände der Auffassung, dass LafargeHolcim seine Position überdenken sollte. So soll das Unternehmen: 

  • zu fairen Beziehungen zwischen den Sozialpartnern und zu einem sozialen Dialog zurückkehren und das globale Rahmenabkommen mit IndustriALL und der BHI unterzeichnen;

  • der Ausnutzung von Arbeitnehmern ein Ende setzen, die über Leiharbeits- bzw. Drittfirmen im Unternehmen beschäftigt sind;

  • seine eigenen Versprechen hinsichtlich der Beteiligung der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter zur Erarbeitung besserer Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen einhalten, um so weitere sinnlose Todesfälle und Verletzungen bei LafargeHolcim zu vermeiden.

BHI-Generalsekretär Ambet Yuson erläutert,


LafargeHolcim sollte zu seinen Worten stehen. Die Arbeit im Zementsektor ist gefährlich. Allerdings werden die Unfallprävention sowie Gesundheitsgefährdungen ernsthaft durch den missbräuchlichen Einsatz von Arbeitnehmern aus Leiharbeitsfirmen untergraben. Darüber hinaus weigert sich das Unternehmen, Verantwortung für die schlechten Arbeitsbedingungen zu übernehmen. Die Gewerkschaften sind in der Lage, das Unternehmen zu unterstützen. Allerdings wird ihr Fachwissen vehement abgelehnt, da die Gewerkschaft die ausbeuterischen Beschäftigungsmethoden und Arbeitsbedingungen an den Pranger stellen.  

Valter Sanches, Generalsekretär von IndustriALL, kommentiert das gebrochene Versprechen seitens LafargeHolcim wie folgt: 

Die im vergangenen Dezember getroffene Entscheidung gegen ein Abkommen zum Aufbau eines sozialen Dialogs fügt der Glaubwürdigkeit des Unternehmens weiteren Schaden zu. Wir sind der tiefen Überzeugung, dass die Aktionäre, der Vorstand sowie sämtliche Entscheidungsträger bei LafargeHolcim sich intensiv mit der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens auseinandersetzen müssen, falls dieser destruktive Ansatz weiterverfolgt wird. Dies wäre ein großes Hindernis für die Rückkehr des Unternehmens auf einen guten Weg. 

EFBH-Generalsekretär Sam Hägglund erklärt, 

Die europäischen Gewerkschaften sind empört über die Entscheidung der Geschäftsführung von LafargeHolcim, ihr Wort zu brechen. Nachdem im Frühjahr 2017 ein solides Abkommen mit den Europäischen Betriebsräten unterzeichnet worden war, sind wir davon ausgegangen, dass der soziale Dialog bei LafargeHolcim nun zur Regel wird. Nun müssen wir erleben, dass dieser Ansatz bedroht ist. Dies ist ein schlechtes Zeichen für die Zukunft aller Arbeitnehmer und Interessenvertreter des Unternehmens.