Gewerkschaften in Indien sorgen für Gerechtigkeit für zu Tode gekommene Ziegelarbeiterinnen
Verschiedene indische Gewerkschaften reagierten schnell auf einen tragischen Unfall an der Arbeitsstätte, bei dem am 3. Juni zwei junge Wanderarbeitnehmerinnen in einer Ziegelbrennerei im Bundesstaat Tamil Nadu zu Tode gekommen sind.
Pramila Chandi (18 Jahre) und Madanabati Chandi (22 Jahre), die beide aus dem Distrikt Kalahandi im Bundesstaat Odisha stammen, verstarben noch am Unfallort an der Ziegelbrennerei M/S K.N.R Bricks in Tiruvallur beim Entladen von Ziegeln aus einem LKW.
In dieser Gegend gibt es etwa 500 Ziegelbrennereien, in denen ca. 40.000 Arbeitsmigranten beschäftigt sind. Die beiden Frauen gehörten zu einer Gruppe von Arbeitsmigranten, die aus dem Distrikt Kalahandi im Bundesstaat Odisha angeworben worden waren; ihre Familien hatten dafür eine Vorauszahlung in Höhe von INR 30.000 (USD 400) erhalten.
Als das BHI-Büro in Südasien von dem Unfall erfuhr, wurden sofort die Mitgliedsverbände informiert, die unverzüglich handelten. Im Bundesstaat Odisha, aus dem die Opfer stammten, kontaktierte der nationale indische Gewerkschaftsverband INBCWWF (Bau-, Forst- und Holzarbeiter) die Familien der beiden Opfer, drängte beim Arbeitsministerium auf eine Untersuchung des Unfalls und half bei der Freigabe von finanzieller Unterstützung von Seiten des Building and Other Construction Workers Welfare Board (BOCW) in Odisha. Die Gewerkschaft berichtete, dass der zuständige Labour Officer im Distrikt Kalahandi des Bundesstaats Odisha einen vorläufigen Untersuchungsbericht über den Unfall eingereicht hat, und dass den Familien der Opfer finanzielle Hilfe in bar übermittelt wurde, damit sie das Bestattungsritual durchführen können.
Im Bundesstaat Tamil Nadu suchte die Gewerkschaft Thamizhaga Kattida Thozhilalargal Mathiya Sangam (TKTMS) sofort die Arbeitsstätte auf und sprach sich mit dem Arbeitsministerium ab. Außerdem kontaktierte sie den Verband der Ziegelofenbesitzer, damit die Familien der Opfer eine Entschädigung bekommen, und ging deswegen auch auf das BOCW zu, unabhängig davon, ob die zu Tode gekommenen Arbeitnehmerinnen registriert waren oder nicht. Daraufhin hielt der Verband der Ziegelofenbesitzer im Distrikt Tiruvallur eine Dringlichkeitssitzung ab, auf welcher der beteiligte Arbeitgeber zustimmte, jeder Familie eine Entschädigung in Höhe von INR 450.000 (USD 5.955) und einen Teil der Gruppenversicherungsleistung zukommen zu lassen. Die Gewerkschaft forderte das BOCW zudem auf, sicherzustellen, dass alle Beschäftigten ordnungsgemäß registriert sind, damit sie die Möglichkeit auf Sozialleistungen haben, und zu gewährleisten, dass Arbeitgeber zur Vermeidung ähnlicher Unfälle in Zukunft Maßnahmen ergreifen. Währenddessen wartet das Fabrikinspektorat auf den ausführlichen Bericht über den Unfall, wie es das entsprechende Gesetz von 1948 erfordert.
Der Vorsitzende des INBCWWF und des nationalen indischen Gewerkschaftsbunds INTUC-Odisha, Dr. R.C. Khuntia, lobte die Zusammenarbeit zwischen seiner Gewerkschaft und der TKTMS.
„Wir bedanken uns beim Vorsitzenden der TKTMS, Ponkumar, dass er gemeinsam mit uns auf diesen unglücklichen Unfall reagiert hat, bei dem zwei junge Arbeitsmigrantinnen ihr Leben verloren haben, weil die Arbeitsschutzmaßnahmen (OHS) nicht ausreichend waren. Die Distriktverwaltung führt momentan in allen Ziegelbrennereien Sicherheitsaudits durch, und wir hoffen, dass dies zu besseren Arbeitsschutzmaßnahmen führen wird, damit zukünftig Unfälle vermieden werden können. Die Zusammenarbeit zwischen INBCWWF und TKTMS über zwei Bundesstaaten hinweg ist beispielhaft dafür, dass Partnerschaften und Kooperation die Lösung von Problemen der Arbeitnehmer bedeuten, insbesondere in den Ziegelbrennereien, in denen Wanderarbeitnehmer einen großen Anteil der Beschäftigten ausmachen.“, so Khuntia.
In Indien sind die Ziegelöfen hauptsächlich in ländlichen Gebieten und am Stadtrand zu finden. Etwa 40-60 % der Arbeitskräfte in Ziegelbrennereien sind Arbeitsmigranten. Es werden traditionelle Technologien verwendet, und die Arbeitnehmer erhalten Akkordlöhne. Die mangelhaften Lebens- und Arbeitsbedingungen, inadäquate soziale Absicherung und unzureichende Arbeitsschutzbestimmungen sind in zahlreichen Ziegelbrennereien Anlass zu großer Sorge. Schätzungen zufolge gibt es in Indien über 60.000 Ziegelöfen mit fast 12 Millionen Beschäftigten.
