GLOBALE GEWERKSCHAFTEN DER FUSSBALLER, BAUSCHAFFENDEN UND HAUSANGESTELLTEN STARTEN DIGITALE PLATTFORM ZUR UNTERSTÜTZUNG DER ARBEITNEHMERRECHTE IN KATAR UND WELTWEIT NACH DER WELTMEISTERSCHAFT

Amsterdam, Genf, London – 16. Dezember 2022 – Drei internationale Gewerkschaften kündigen heute den Start einer weltweiten digitalen Plattform an, über die sowohl diejenigen Wanderarbeiter unterstützt werden sollen, die auch nach der Weltmeisterschaft 2022 in Katar bleiben, als auch Arbeitnehmer, die bei zukünftigen internationalen Fußballturnieren in anderen Ländern beschäftigt sind. Diese Plattform wird zunächst von der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) und dem Internationalen Verband der Hausangestellten (IDWF) in Katar auf den Weg gebracht; als Partner ist die Weltgewerkschaft der Profifußballer (FIFPRO) dabei. Diese Informationsressource wird für Migranten dauerhaft verfügbar sein, falls ihre Arbeitsrechte und -bedingungen gefährdet bleiben.


Auf die digitale Plattform kann über eine App auf dem Mobiltelefon zugegriffen werden. Die drei globalen Gewerkschaften leisten so einen Beitrag, der dauerhafte Unterstützung für die Arbeitnehmer in Katar und andere Arbeitsmigranten auf der ganzen Welt garantieren soll. Die App wurde von einem Team erfahrener Entwickler ausgestaltet, die sich dabei eng mit Migranten aus verschiedenen Branchen abgestimmt haben. Über die Plattform wird sichergestellt, dass Arbeiter leicht Zugang zu aktuellen Informationen über ihre Rechte und die Arbeitsgesetze bekommen können und Unterstützung erhalten, wenn sie Hilfe benötigen.


Die drei Gewerkschaften haben in den letzten Jahren eine gemeinsame Vision entwickelt und nach Möglichkeiten gesucht, positiven und zukunftsorientierten Einfluss auf die Situation derjenigen Gemeinschaften und Menschen zu nehmen, die an der Austragung großer Fußballevents beteiligt sind. Ihre Forderung nach einer besseren Umsetzung und Kontrolle der jüngsten Arbeitsreformen und der Einrichtung eines Zentrums für Arbeitsmigranten in Katar bleibt jedoch immer noch unbeantwortet. Daher ist die heute vorgestellte Plattform bis jetzt die einzige Initiative, die von den Arbeitsmigranten für die Arbeitsmigranten umgesetzt wurde, damit sie auch nach der Weltmeisterschaft 2022 Unterstützung bei Fragen der Beschäftigung haben.


Im Laufe des letzten Jahres waren über 1.000 Wanderarbeitnehmer zu dieser Initiative befragt worden; sie wurden gefragt, was sie brauchen, und haben Input zur Gestaltung der digitalen Plattform gegeben, die darauf ausgerichtet ist, ihnen leicht verständliche und handlungsorientierte Informationen auf Englisch, Arabisch, Urdu, Bengali, Filipino, Hindi und Nepalesisch zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wird die App den Migrantengruppen, die diese Sprachen sprechen, Schulungsinhalte und Weiterbildungsressourcen bereitstellen.


Die FIFA-WM endet am 18. Dezember, dem internationalen Tag der Migranten, doch das Engagement von FIFPRO, BHI und IDWF wird weitergehen, damit die Rechte und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter weiter vorangebracht werden. Die Weltgewerkschaften wollen die Zusammenarbeit aller Interessensträger fördern, damit gewährleistet ist, dass die Arbeitsbedingungen und die grundlegenden Menschenrechte aller an diesen Fußballturnieren beteiligten Personen geachtet und geschützt werden.  


BHI-Generalsekretär Ambet Yuson sagte dazu: „Die Wanderarbeiter auf den Baustellen sind das Rückgrat der ungeheuren Infrastrukturarbeiten hinter den FIFA-Weltmeisterschaften, insbesondere von Katar 2022. Zu vielen Menschen ist immer noch nicht bewusst, welche Rechte sie nach den Reformen im Staat Katar haben. Sprachliche Hürden, mangelndes Vertrauen und Angst führen dazu, dass es für die Arbeitsmigranten noch schwerer ist, ihre Rechte zu kennen und einzufordern. Durch den Start dieser neuen digitalen Plattform können wir helfen sicherzustellen, dass die Arbeitsmigranten die Infrastruktur haben, die sie benötigen, auch nach dem Turnier noch.“  


IDWF-Generalsekretärin Elizabeth Tang fügte hinzu: „Kein Land ist von der Herausforderung ausgenommen, dass Haushaltshilfen mit Dienstleistungen schwer zu erreichen sind, da so viele von ihnen im öffentlichen Raum unsichtbar sind. Indem wir dabei helfen, sie aus dem Privaten in die Öffentlichkeit zu holen, können die Hausangestellten sich über diese Plattform wieder gesehen fühlen.“  


Der FIFPRO-Vorsitzende David Aganzo sagte: „Im Namen aller Fußballer weltweit unterstützt die FIFPRO den Start dieser App vollumfassend. Sie wird Arbeitsmigranten aus allen Branchen in Katar unterstützen, zentrale Fragen zu lösen, die sie eventuell zu ihrer Beschäftigung haben. Wir sind stolz darauf, dass wir unseren Anteil zur Entwicklung der App beigetragen haben, und wir sind zuversichtlich, dass unsere Gewerkschaftskollegen von der BHI und IDWF die App ganz fantastisch bespielen und belastbare Ratschläge und Hilfe für die Beschäftigten in Katar und anderen Ländern anbieten werden.“


FIFPRO-Generalsekretär Jonas Baer-Hoffmann bestätigte: „Wir schätzen uns glücklich, dass wir zusammen mit einigen Fußballspielern von den und mit den Gemeinschaften der Wanderarbeitnehmer lernen durften, wie man ihre Situation verbessern kann. Während zahlreiche Elemente noch weitere Schritte durch Regierungsinstitutionen und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erfordern, wird diese App den Zugang zu Informationen und die Möglichkeiten für die Arbeitnehmer erleichtern, ihre Rechte besser zu verstehen und zu nutzen. Die Gesetzesänderungen und Verbesserungen der Bedingungen bleiben den Beschäftigten oft aufgrund der Bürokratie, fehlender Informationen und Fehlverhalten durch viele Firmen verschlossen, doch die Arbeitnehmer verbinden sich digital miteinander und leisten sich gegenseitig Hilfe, daher schließt diese App eine Lücke. Wir sind stolz darauf, dass wir den Arbeitnehmern helfen und einen Beitrag dazu leisten können, auch lange nach dem Abpfiff der Weltmeisterschaft ihre Situation selber zu gestalten.“