Interview mit Gumercinda SUTFACAP-Faber Castell Peru

19 June 2017 11:43
 

„Die Aufgabe von Gewerkschaftsorganisationen besteht auch darin, die Umwelt zu schützen,“ erklärt Gumercinda Ángeles, Sekretärin für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz der Gewerkschaft SUTFACAP, in der sich die bei Faber Castell Peru beschäftigten Arbeitnehmer organisiert haben. Gumercinda Ángeles arbeitet seit 23 Jahren im Faber Castell-Werk in Peru. Sie ist 46 Jahre alt, geschieden und hat einen Sohn. Darüber hinaus ist sie die derzeitige Gleichstellungsbeauftragte des peruanischen Gewerkschaftsverbandes FETRIMAP.

Wie wichtig war die Beteiligung der Arbeitnehmerinnen beim Kampf für die Anerkennung der Gewerkschaft durch das multinationale Unternehmen Faber Castell?

Die Beteiligung von mir und meinen Kolleginnen war von großer Bedeutung, da die Frauen mit einem Anteil von 50% der Beschäftigten im hiesigen Werk eine wichtige Rolle spielen. Auch der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder besteht zur Hälfte aus Frauen.

Viele von uns arbeiten bereits seit mehr als 20 Jahre bei Faber Castell. Schon immer wollten wir eine Gewerkschaftsorganisation, die sich für uns einsetzt. Dies war allerdings über einen langen Zeitraum nicht möglich. Einerseits hatten wir Angst, andererseits untersagt die peruanische Gesetzgebung die Vereinigungsfreiheit.

Dennoch gründete eine Gruppe von Arbeitnehmern im November 2015 mit der Unterstützung der BHI die Gewerkschaft. An dieser Stelle muss ich betonen, dass niemandem von uns bekannt war, dass Faber Castell mit der BHI ein Internationales Rahmenabkommen (IRA) abgeschlossen hatte. Außerdem wussten wir nicht, dass wir uns für die Gründung der Gewerkschaft auf dieses Rahmenabkommen berufen konnten.Heute haben wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zum ersten Mal Führungsaufgaben in einer Gewerkschaft übernehmen.

Was halten Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen als Mitglied in Ihrer Organisation von der Teilhabe der Frauen an der gewerkschaftlichen Arbeit?

Männer und Frauen haben dasselbe Recht auf gewerkschaftliche Mitwirkung. Aktuell können wir in unserer Gewerkschaft 125 weibliche Mitglieder verzeichnen. Drei Sekretariate unserer Organisation werden von Frauen geführt. So habe ich selbst die Position der Sekretärin für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz inne und bin darüber hinaus die Verantwortliche für Gleichstellung in unserem Verband FETRIMAP.

Welche besonderen Vorteile kann Ihre Gewerkschaft für die im Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmerinnen aushandeln?

Für die Arbeitnehmerinnen wurden in unserem Tarifabkommen die folgenden Leistungen festgelegt:

  • Bereitstellung von Räumen zum Stillen sowie die entsprechende Freistellung.

  • Sonderurlaub im Fall eines Todes von Familienangehörigen ersten Grades.

  • Schulungen für Arbeitnehmerinnen.

  • Sonderurlaub im Falle von Krankheit eines Kindes.

  • Gesonderte Arbeitsschichten für ältere Arbeitnehmerinnen.

Die BHI setzt sich bereits seit einigen Jahren für die gewerkschaftliche Arbeit in multinationalen Konzernen ein. Welche Vorteile haben sich für Sie daraus ergeben, dass Sie dem regionalen Gewerkschaftsnetz für die Arbeitnehmer von Faber Castell angehören?

Unsere Gewerkschaftsorganisation besteht erst seit einem Jahr. Die ganze Zeit über stand uns das Faber Castell-Gewerkschaftsnetz zur Seite. So hatten wir die solidarische Unterstützung von der Faber Castell in Brasilien vertretende Gewerkschaft sowie von der deutschen IG Metall. Zusammen mit dem für uns zuständigen BHI-Regionalvertreter, Nilton Freitas, nahmen sie im November 2016 am Sozialaudit in Lima teil. Diese Veranstaltung brachte für unsere Gewerkschaft einige Vorteile mit sich. So verfügen wir seitdem über einen Raum an unserem Standort, in dem wir unsere Mitglieder beraten können.

Der Weltumwelttag fand in diesem Jahr am 5. Juni statt. Wozu sollten sich die Arbeitnehmerinnen in Peru in diesem Zusammenhang verpflichten?

Als Gewerkschaften spielen wir eine wichtige Rolle beim Schutz unserer Umwelt. Als Arbeitnehmerinnen sind wir uns bewusst, wie wichtig die Durchführung von Schulungsmaßnahmen ist. Daher hat sich unsere Gewerkschaft um eine Teilnahme an FSC-Sozialkammer am 9. Mai 2017 beworben.