Schutz der Arbeitsnormen im FSC: Ein Interview mit Jeanette Clarke

31 July 2017 07:32

 

Seit 30 Jahren bin ich als Forscherin, Mediatorin und Beraterin in der Entwicklungsarbeit tätig. Mein Schwerpunkt ist die Forstwirtschaft und hier insbesondere die Minderung der Armut und Sicherung des Lebensunterhalts. Ich habe langjährige Arbeitserfahrung in Südafrika, Simbabwe, Tansania und anderen Ländern in Süd- und Ostafrika. Seit vielen Jahren arbeite ich als Beraterin im Bereich der sozialen Aspekte der kommerziellen Holzproduktion; darunter fallen Beschäftigung, Engagement der Allgemeinheit, Landbesitzrechte und unternehmerische soziale Verantwortung, die Entwicklung von kleinen bzw. von lokalen Gemeinschaften betriebenen Forstbetrieben sowie Wälder, Bäume und ländliche Lebensräume und die Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen durch die lokalen Gemeinschaften.

Worin besteht Ihre Rolle innerhalb des FSC?

Ich bin seit zwanzig Jahren im Forestry Stewardship Council (FSC) involviert, zunächst als Expertin für soziale Fragen bei Audits zur Forstbewirtschaftung und in jüngster Zeit bei der Erarbeitung von nationalen Normen, der Ausrichtung des FSC und als aktives Mitglied in der Sozialkammer.

Worin bestehen Ihrer Meinung nach derzeit die größten Herausforderungen für das FSC-System?

Historisch gesehen war der FSC immer bei den sozialen Fragen am schwächsten. Es ist oft so, dass die sozialen Fragen ein bisschen weniger im Vordergrund stehen als Umwelt- oder Wirtschaftsaspekte. Aus Sicht der Arbeitnehmer besteht eine der größten Herausforderungen darin, die Rechte aller Beschäftigten trotz der aktuellen Outsourcing-Bestrebungen überall zu verteidigen. Die FSC-Normen haben bereits viel dazu beitragen können, die Beschäftigten bei Subunternehmen zu schützen, indem man sie in die Definition von „Arbeitnehmer“ eingeschlossen und so sichergestellt hat, dass die Normen gleichermaßen für alle indirekt Beschäftigten gelten. Ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Aufnahme von Normen zum Existenzlohn in die IGI. Doch in einigen Ländern bleibt das Problem, wie das interpretiert wird bzw. ob und in welchem Maße bei Audits zur Forstwirtschaft auch die Beschäftigten bei Subunternehmern einbezogen werden. Ein weiteres Problem bleibt der Schutz gegen die Unsicherheit von befristeten Kurzverträgen bei Subunternehmern. Gegenwärtig prüft man die Einbindung der Arbeitsnormen in die CoC ― das ist eine weitere große Herausforderung, da in manchen Ländern Arbeitgebergruppen starken Widerstand leisten.

Welchen Beitrag hat Ihrer Meinung nach Rulita für den FSC geleistet?

Rulita bringt in den FSC-Vorstand ihre langjährige Erfahrung und ihr Engagement im Bereich der Arbeitnehmerrechte ein. Dies ist umso wichtiger, gerade jetzt, da diese Stimmen im FSC-System immer eher schwach waren.

Warum sollte Rulita erneut in den FSC-Vorstand gewählt werden?

Der FSC steht immer noch vor großen Herausforderungen, was den Schutz der Arbeitnehmerrechte im System angeht, und es ist sehr wichtig, dass Rulita sich auch weiterhin so wunderbar für diese Rechte einsetzt wie bisher. Als Vorsitzende des FSC-Vorstands spielt sie zudem eine große Rolle wenn es darum geht, einen Konsens zwischen den verschiedenen Interessensgruppen zu schaffen. Diese Fähigkeit, zu schlichten, sollte sie auch weiterhin auf Vorstandsebene einbringen können.