Solidaritätsbesuch der BHI-Frauen in Griechenland

05 June 2017 22:17

 

Siebzehn Gewerkschaftsführerinnen und Aktivistinnen von BHI-Mitgliedsorganisationen aus verschiedenen europäischen Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Mazedonien, Zypern, Albanien und Frankreich begaben sich auf eine zweitägige Mission nach Griechenland. Mit dieser Reise sollte dem griechischen Volk Solidarität bekundet werden. Trotz der großen wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen das Land derzeit konfrontiert ist, stehen die Griechen den ins Land kommenden Flüchtlingen und Migranten mit großer Unterstützung und Solidarität zur Seite. 

Rita Schiavi, Vorsitzende des Regionalen BHI-Frauenausschusses für Europa und eine der treibenden Kräfte der Mission erläutert: „Die BHI und die EFBH setzen sich derzeit intensiv damit auseinander, worin unsere Rolle im Zusammenhang mit dem Zustrom von Flüchtlingen und Migranten nach Europa besteht. Es ist daher wichtig, dass wir uns aus erster Hand über die derzeitige Lage in Griechenland, das sich im Kontext der Flüchtlingskrise in vorderster Front befindet, vor Ort ein Bild machen können. Es ist wichtig zu wissen, welche Maßnahmen die griechische Regierung und das Volk ergreifen, um den Migranten und Flüchtlingen zu helfen und ihnen die erforderliche Unterstützung zuteilwerden zu lassen.” 

In den vergangenen zwei Jahren sind mehr als 1,3 Millionen Migranten und Flüchtlinge über Griechenland nach Europa gekommen. Derzeit leben noch 62.000 Flüchtlinge in Griechenland. Diese sind hauptsächlich in den rund 60 Flüchtlingscamps sowohl auf dem Festland wie auch auf den Inseln untergebracht. Die Flüchtlingszahlen sind seit einiger Zeit aufgrund der Schließung der Balkanroute und dem im vergangenen Jahr zwischen der EU und der Türkei geschlossenen Abkommen rückläufig. Allerdings kamen in der Hochphase der Flüchtlingskrise Tausende über das Mittelmeer an den Küsten der griechischen Inseln an. So trafen auf der Insel Lesbos zeitweise an die 5.000 Migranten in völlig überfüllten Booten und Schlauchbooten ein. Lena Kougea, eine griechische Aktivistin und Teilnehmerin der Mission erklärte: „Es ist wichtig, die Erinnerung an die Geschehnisse auf Lesbos wachzuhalten. Diese Ereignisse dürfen nie vergessen werden. 

Gail Cartmail, stellvertretende Generalsekretärin der britischen Gewerkschaft Unite erläutert: „Wie uns berichtet wurde, retteten die Teams der griechischen Küstenwache im Jahr 2015 Tausenden von Flüchtlingen das Leben. Dieselben Besatzungen hatten vorher nicht eingegriffen, um Menschen in Seenot zu retten. Die Kursänderung trat erst ein, nachdem die griechische Regierung die Rettung der Menschen angeordnet hatte. Unsere Aufgabe als Gewerkschaften besteht darin, dass wir im Rahmen der Flüchtlingsthematik auf die Rechte der Migranten hinweisen und zur Solidarität und Menschlichkeit auffordern. Dabei muss uns immer bewusst sein, wie wichtig es ist, auf derartige politische Entscheidungen, die eine Frage von Leben und Tod darstellen, Einfluss zu nehmen.” 

Die nach Griechenland gereiste Delegation der BHI-Frauen hatte die Gelegenheit, das Diavata-Flüchtlingscamp zu besuchen. Hierbei handelt es sich um ein vom Militär betriebenes Camp, das im Februar 2016 eröffnet worden war. In der Hochphase waren hier mehr als 2.500 Flüchtlinge untergebracht. Derzeit leben hier nur noch 300 Menschen, die darauf warten, in die griechische Gesellschaft integriert oder von einem anderen europäischen Land aufgenommen zu werden. Im Gespräch mit der BHI-Delegation erläuterten die Mitarbeiter des Camps ihre Aufgaben und wiesen auf die Herausforderungen hin, mit denen sie bei der Versorgung der Flüchtlinge konfrontiert sind. So sprachen sie unter anderem das Fehlen ausreichender Ressourcen an." 

Darüber hinaus besuchte die Delegation die Soziale Solidaritätsklinik Thessaloniki, die von mehr als 200 Freiwilligen betrieben wird. Diese Klinik stellt Menschen, die über keinen Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung verfügen, die dringend benötigte medizinische und zahnmedizinische Versorgung bereit. Die im Jahr 2012 eröffnete Klinik wird als Kollektiv betrieben. 

Viele Teilnehmerinnen zeigten sich von den Besuchen bei der Solidaritätsklinik sowie der Sozialküche in hohem Maße beeindruckt. 

Es ist wirklich sehr beindruckend, mit eigenen Augen zu sehen, wie hier die für die Bedürftigen –darunter Migranten und Flüchtlinge –die so dringend benötigten Hilfs- und Unterstützungsleistungen bereitgestellt werden,“ betonte Ivana Dimitrova von der mazedonischen BHI-Mitgliedsorganisation SGIP.” 

BHI-Generalsekretär Ambet Yuson bekräftigte: „Wie wir in Griechenland mit eigenen Augen gesehen haben, hat das griechische Volk nicht nur unter den von der Troika auferlegten Sparmaßnahmen zu leiden. 

“Nichtsdestotrotz zeigen die Griechen Tag für Tag in einer beeindruckenden Art und Weise Menschlichkeit und Solidarität gegenüber Flüchtlingen und Migranten. 

In der Sozialküche ist mir ein Schild mit dem Slogan Alle Macht dem Volk aufgefallen. Dies ist eine klare Botschaft, die uns den Weg zu unserem 4. Weltkongress weisen wird.”