Jahresendbotschaft des BHI-Generalsekretärs

18 December 2017 15:38

BWI GS Ambet Yuson speaking in the BWI 4th World Congress in Durban, South Africa

Bei der Mobilisierung globaler Solidarität waren die BHI-Mitgliedsgewerkschaften stärker als jemals zuvor. So ist es uns gelungen, einige der größten multinationalen Unternehmen zu neuen Verhaltensansätzen zu bewegen. Darüber hinaus konnten wir bewirken, dass nationale Regierungen den Arbeitnehmern im jeweiligen Land eine bessere Behandlung zukommen lassen. 

Unser vierter BHI-Weltkongress ging mit dem Aufruf an alle BHI- Mitgliedsgewerkschaften zu Ende, ihre Organisierungsarbeit weiter voranzutreiben sowie Verhandlungen und Kampagnen für die Rechte der Arbeitnehmer in den von uns vertretenen Sektoren durchzuführen. Unsere Stärke und unsere Macht sind und bleiben stets die von uns repräsentierten Arbeitnehmer. Gelingt es uns, die Stärke unserer Argumente mit dem Argument unserer Stärke zu verbinden, ist uns der Sieg sicher.

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mich als Ihren Generalsekretär wiedergewählt haben. Vielen Dank für Ihr Vertrauen, das Sie für die kommenden vier Jahren in mich gesetzt haben. Im Verlauf des Weltkongresses wurden auch Per-Olof Sjöö zum Präsidenten sowie Dietmar Schäfers und Pierre Cuppens als Vizepräsidenten gewählt. Darüber hinaus wurde Piet Matosa als erster stellvertretende BHI-Präsident aus der südlichen Hemisphäre gewählt. Zudem hat der Kongress auch neue regionale Vizepräsidenten, neue Mitglieder des Weltvorstands, des Weltrates und des internationalen Frauenausschusses gewählt.

Wir haben in unserer Organisation umfangreiche Veränderungen vorgenommen, um die Vielfalt unserer Mitgliedsgewerkschaften noch umfassender und repräsentativer vertreten können.Wir verfügen nun im Weltvorstand über einen Frauenanteil von 30 % und haben auch eine beachtliche Anzahl Frauen in den Weltrat gewählt. 

Wir haben die Jugendkampagne zur Einrichtung eines internationalen Jugendausschusses sowie der Schaffung der Akademie für Globale Aktivisten unterstützt. Darüber hinaus haben wir beschlossen, die Verbindung zwischen der BHI und den Mitgliedsgewerkschaften durch die Stärkung der regionalen Strukturen zu intensivieren.

Im Rahmen des Kongresses haben wir auch über die Herausforderungen diskutiert, die uns in der nächsten Zeit erwarten. Derzeit ist der Gesellschaftsvertrag in allen Ländern der Welt in Gefahr. Somit ist es keine Überraschung, dass der soziale Dialog an seine Grenzen stößt. Häufig haben wir in vielerlei Hinsicht die Sparpolitik und den Neoliberalismus in unseren eigenen Ländern nicht schnell genug erkannt und entsprechend darauf reagiert. Wir alle sind Zeugen der zerstörerischen Wirkung, die diese Ansätze in der ganzen Welt nach sich ziehen. Allerdings erkennen nur wenige, wenn sich diese Entwicklungen in ihrem eigenen Land, also gleichsam vor der eigenen Haustür, vollziehen. Vielleicht werden wir von bestimmten Vorstellungen von Patriotismus geblendet oder vielleicht liegt es auch an den politischen Parteien, die bereits seit langer Zeit die Belange der Arbeitnehmer nicht mehr ihren Kernauftrag wahrnehmen.

Nie zuvor wurde die Logik des Marktes, des technologischen Wandels, des ungebremsten Wirtschaftswachstums als Lösung für alle möglichen Probleme so wenig in Frage gestellt. Viele unserer Mitglieder unterstützen rechtspopulistische Parteien, die ihnen versprechen, den Markt von einigen schwerfälligen Regulierungen zu befreien. 

Die Versprechen des Neoliberalismus und der Sparpolitik haben in dieser Welt keinen Platz, da sie zu nichts anderem als zur Erhöhung der CO2-Emissionen sowie zu einem einseitigen Wohlstand auf Kosten unserer Mitglieder führen.

Darüber hinaus müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Globalisierung, der technologische Fortschritt, Marktveränderungen und demographische Verschiebungen sich in der Zukunft in erheblichen Maße auf die Arbeitswelt auswirken werden. Regierungen, Wirtschaftswissenschaftler und politische Entscheidungsträger entwickeln allesamt Strategien, um die Veränderungen der Arbeitswelt vorherzusagen und Maßnahmen auszuarbeiten, mit denen die Stabilität und Produktivität des Arbeitsmarktes gesichert werden können. In diesen Diskussionen werden nur allzu oft die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen außer Acht gelassen, die diese auf Arbeitnehmer im Hinblick auf menschenwürdige Arbeit, wirtschaftliche Qualität und soziale Gerechtigkeit haben.  

Die von der BHI vertretenen Arbeitnehmer sind der Motor und das Rückgrat der nationalen und weltweiten Volkswirtschaften. Es sind unsere Arbeitnehmer, die die Städte und Gemeinden bauen. Dennoch sind gerade sie es, die insbesondere auf der südlichen Welthalbkugel, am meisten an den Rand gedrängt und ausgebeutet werden. Vor dem Hintergrund der in der Arbeitswelt insbesondere in den BHI-Sektoren stattfindenden Veränderungen müssen wir uns als weltweit aktive Gewerkschaftsbewegung definieren und einen konkreten Fahrplan ausarbeiten, über den sichergestellt wird, dass die Arbeitnehmer- und die Arbeitsrechte von vorneherein selbstverständlich in jede globale politische Strategie eingebunden werden.

Als Reaktion auf diese Herausforderungen haben wir im Rahmen unseres vierten Weltkongresses einen neuen Strategieplan verabschiedet, der sich auf die folgenden konvergierenden Bereiche konzentriert: Rechte für alle; Sicherheit am Arbeitsplatz; Junge Arbeitnehmer in Gewerkschaften; Gleichstellung; Nachhaltige Sektoren; Faire Arbeitsbedingungen bei Sportgroßveranstaltungen sowie eine organisierte Wertschätzungskette. Dieser auf die kommenden vier Jahre ausgelegte Plan stellt unseren Grundriss für den Aufbau (Organisierung), die Verteidigung unserer Werte (Verhandlungen) sowie die Ausweitungen unserer Aktivitäten (Einflussnahme) dar. 

Darüber hinaus haben wir im Verlauf des Kongresses verschiedene Entschließungen verabschiedet, die Solidaritätsaktionen in Indien, Kambodscha, den Philippinen und der Türkei sowie für Arbeitnehmer in Konfliktregionen, für Arbeitsmigranten und Flüchtlinge, wie auch für Arbeitnehmer im Stromsektor einfordern. Der Kongress hat zudem zu verschiedenen globalen Aktionen aufgerufen. Diese sollen sich gegen neoliberale politische Strategien und Handelsabkommen richten. Darüber hinaus sollen Aktionen durchgeführt werden, mit denen dagegen protestiert wird, dass der Forest Stewardship Council (FSC) die ILO-Kernarbeitsnormen nicht in ihren Zertifizierungsprozess der Produktkette integriert hat. Des Weiteren sollen weitere Erfolge durch die Aushandlung internationaler Rahmenabkommen mit multinationalen Unternehmen erzielt werden.

Die Problematik des Klimawandels stellt für uns auch eine Chance dar. Wir haben nun die Möglichkeit, in unseren Tarifabkommen politische Strategien zur Senkung der CO2-Emissionen und entsprechende Vorgehensweisen einzufordern. So bekämpfen wir eine globale Versorgungskette, die allein darauf abzielt, Gewinne zu maximieren. Anstelle dessen fordern wir eine Versorgungskette, über die die Treibhausgase reduziert werden können. So müssen alle neuen Technologien daraufhin überprüft werden, ob die für die Arbeit verwendeten fossilen Brennstoffe rational auf soziale Gerechtigkeit abzielen und nicht nur die höchsten Gewinne im Auge haben. Darüber hinaus müssen wir mit unseren Führungskräften, unseren Mitgliedern die Themen soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Gleichberechtigung erörtern. Die Diskussion darüber darf nicht auf Gewerkschaftsebene Halt machen, sondern muss an den Arbeitsplätzen, in den Pausenräumen und bei unseren Mitgliedern zu Hause geführt werden.

Vor dem Hintergrund des heute, am 18. Dezember 2017, begangenen Internationalen Tag der Arbeitsmigranten hat die BHI im Rahmen ihres Kongresses zwei Entschließungen verabschiedet. Damit macht sie erneut ihr Engagement zur Entwicklung eines koordinierten und vereinheitlichten Ansatzes im Hinblick auf die Migration deutlich. Dieser soll den Schutz von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen sicherstellen und die Ausländerfeindlichkeit und migrantenfeindliche Rhetorik bekämpfen, die durch nationalistische und populistische Parteien angefacht wird. Zudem soll dieser Ansatz gewährleisten, dass die wahren Ursachen für die Immigration angegangen werden, indem Ressourcen für die wirtschaftliche Entwicklung und zur Förderung des Friedensprozesses in den Ländern bereitgestellt werden, in denen zivile Unruhen und Konflikte vorherrschen.Wir müssen wieder lernen, welche Macht und Bedeutung Solidarität in sich birgt – ob auf den Baustellen und den Produktionsstätten im eigenen Land oder weltweit. Wenn wir zusammenarbeiten und in globaler Solidarität vereint sind, ist uns der Sieg sicher.

  Amandla! Die Macht dem Volk!