Wahrung der Beschäftigungsstandards innerhalb des FSC - Interview mit Coen van der Veer vom FNV

04 July 2017 12:56

 

Der Abstimmungszeitraum für den FSC-Vorstand hat begonnen und endet am 31. August 2017. BHI-Generalsekretär Ambet Yuson erklärte: „Wir freuen uns, die Wiederwahl von Rulita Wijayanigdyah zu unterstützen. Sie hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Stimmen der Arbeitnehmer innerhalb des FSC-Systems Gehör zu verschaffen’.

Seit dem Abschluss ihres Studiums an der University of Indonesia im Jahr 1998 ist Rulita bei der indonesischen Bau- und Holzarbeitergewerkschaft KAHUTINDO tätig, die mehr als 127.000 Mitglieder vertritt. Darüber hinaus engagiert sie sich in Diskussionen in internationalen Foren innerhalb der mehr als 12 Millionen Arbeitnehmer in 135 Ländern weltweit vertretenden Bau und Holzarbeiter Internationale (BHI). Sie spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau von Kapazitäten in Institutionen, im Kontakt mit Sozialpartnern und Branchenvertretern und betreibt Lobbyarbeit. Zudem zeigt sie klare Führungsqualitäten im Rahmen von Tarifverhandlungen. Sie hat Gewerkschaften aktiv im Rahmen von nachhaltigen Entwicklungs- und Forstzertifizierungsprogrammen vertreten. Dazu gehören unter anderem der Zertifizierungsstandard für Plantagenwälder des Indonesischen Ökolabel-Instituts LEI, 2001, die von Gewerkschaften angeführten Dialoge über nachhaltige Wald- und Forstwirtschaft, 2005-2010; die Teilnahme an den Dialogen zum Schutz der Wälder, 2007-2009; die Teilnahme an einer Gewerkschaftsdelegation in den UN-Klimakonferenzen COP 2007, 2009, 2011; Teilnahme am ostasiatischen FLEG-Programm zur illegalen Abholzung von Wäldern, 2008; die Teilnahme an der Erstellung nachhaltiger Forstbewirtschaftungsprojekte in Australien und im asiatisch-pazifischen Raum, 2008-2009; die Teilnahme an Sozialaudits zu Internationalen Rahmenabkommen mit Faber Castell, Staedtler und dem Internationalen Bund der Bau- und Holzarbeiter (IBBH), 1999-2011, die Teilnahme am Ausschuss der Kooperationspartner für die Forstzertifizierung in Indonesien, 2012-2013 sowie die Teilnahme an den dreigliedrigen Expertengruppen zur nachhaltigen Entwicklung, menschenwürdiger Arbeit und der Schaffung umweltverträglicher Arbeitsplätze, 2015.

Coen van der Veer ist Schatzmeister der niederländischen Gewerkschaft FNV. Zuvor war er der Globale Koordinator der Bau- und Holzarbeiter Internationalen (BHI). In dieser Funktion erwarb er umfassende Kenntnisse im Zusammenhang mit der Wald- und Forstwirtschaft. Als Mitglied der FSC-Sozialkammer erläutert er seine Ansichten über Rulita Wijayanigdyahs Funktion als FSC-Vorstandsmitglied.

Worin besteht Ihre Rolle innerhalb des FSC?

Derzeit bin ich Vertreter der FNV innerhlab der Sozialkammer. Die FNV setzt sich als Mitglied des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) und der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) dafür ein, die Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen zu verbessern.In den Niederlanden ist das FSC-Label sehr bekannt. Die Menschen prüfen vor dem Kauf von Holzprodukten, ob sie mit dem FSC-Label versehen sind. Fast jedes Buch, das man kauft, enthält das Label. Die hohe Bedeutung in den Niederlanden könnte darauf zurückzuführen sein, dass wir in unserem Land kaum noch über natürliche Wälder verfügen. Unsere Waldbestände wurden im 17. Jahrhundert für den Bau von Schiffen abgeholzt. Die Glaubwürdigkeit des FSC-Labels als Standard für Menschenrechte und Arbeitsbedingungen für seine 1,1 Millionen Mitglieder ist daher bei uns von großer Bedeutung.

Worin bestehen derzeit die zentralen Herausforderungen innerhalb des FSC-Systems?

Es gibt mehrere zentrale Herausforderungen. Für die Arbeitnehmer ist allerdings ein Aspekt von großer Dringlichkeit: Wie kann FSC als ein System sicherstellen, dass die Menschen- und Arbeitnehmerrechte in Ländern eingehalten werden, die die Internationalen Übereinkünfte zur Garantie dieser Rechte nicht ratifiziert haben. Ganz egal, ob es sich um das Streikrecht oder um den Schutz vor Diskriminierungen beispielsweise aufgrund der sexuellen Orientierung handelt, muss der FSC auch in Ländern, in denen diese Rechte nicht selbstverständlich und ihre Ausübung eventuell sogar gesetzeswidrig ist, ein robuster und glaubwürdiger Standard sein.

Welchen Beitrag hat Rulita für das FSC-System geleistet?

ERulita hat von Beginn an eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Dialogs zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen in der FSC-Familien gespielt.Sie stützt sich auf einen ideologischen Ansatz und findet auf dieser Grundlage sehr praktische und pragmatische Lösungen, die auf die Verbesserung der Auswirkungen der Zertifizierungen vor Ort abzielen. Ihre praktischen Erfahrungen als Verhandlungsführerin sind in diesem Kontext sehr hilfreich.

Warum sollte Rulita erneut in den FSC-Vorstand gewählt werden?

Der Faktor Beschäftigung spielt innerhalb des FSC eine zentrale Rolle. Die Gewerkschaften gehörten im vergangenen Jahrhundert zu den Gründungsmitgliedern des FSC. Viele wichtige Faktoren hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des FSC stehen in Zusammenhang mit den Arbeitnehmerrechten.Wie Sie beobachten können, engagieren sich zunehmend mehr Gewerkschaften insbesondere aus Ländern der südlichen Hemisphäre aktiv innerhalb des FSC.

Ich glaube, dass das globale Engagement der Gewerkschaften aus diesen Regionen allein Rulitas Verdienst ist. Wenn der FSC die Nummer Eins Unter den Zertifizierungssystemen sein will, ist das Engagement einer starken Frau wie Rulita im FSC-Vorstand von größter Bedeutung.