2 March 2026
ARTESCO–STAEDTLER PERU: GEWERKSCHAFT FORDERT RESPEKT UND SOZIALEN DIALOG
Die Gewerkschaft der Artesco-Beschäftigten (SUTRART) prangert an, dass die peruanische Tochtergesellschaft des deutschen Unternehmens STAEDTLER wesentliche Verpflichtungen aus dem geltenden Tarifvertrag nicht einhält. Dazu zählen das Ausbleiben der vierteljährlichen Treffen zwischen der Unternehmensleitung und den Gewerkschaftsvertreter:innen, trotz formeller Anfragen zur Behandlung dringender Themen im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen und der Arbeitssicherheit. Besonders kritisch ist derzeit die Organisation der Produktion in lediglich zwei 12-Stunden Schichten, die ein hohes Risiko für den Arbeits- und Gesundheitsschutz darstellt.
Die mit der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) verbundene Gewerkschaft warnt zudem vor Vorwürfen der Belästigungen durch Vorgesetzte und wirft dem Unternehmen mangelndes Eingreifen vor. Zudem agiert das Unternehmen wenig Transparenz bei Entscheidungen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Belegschaft stehen. So wurde zum Beispiel die Vorauszahlung der Gewinnbeteiligung mit einer Kürzung um 5 %, ohne offizielle Mitteilung an die Gewerkschaft oder die gesamte Belegschaft festgelegt und nach außen kommuniziert. Ein weiteres Problem ist die signifikante Zunahme von Leiharbeiter:innen und Beschäftigten von Subunternehmen, um deren Rechte und deren Schutz es noch viel schlechter gestellt ist
Darüber hinaus äußert die Gewerkschaft Besorgnis über Praktiken, die einen Verstoß gegen die Vereinigungsfreiheit darstellen. Dazu zählt unter anderem die Versetzung der ehemaligen Generalsekretärin in ein externes Lager ohne Arbeitsaufgaben, eine Maßnahme, die weithin als Vergeltungsmaßnahme wahrgenommen wird. Die ständige Überwachung, insbesondere von gewerkschaftlich organisierten Kolleg:innen, stellt eine schwerwiegende Verletzung der Arbeitnehmerrechte dar.. Die Gewerkschaft betrachtet diese Praktiken als ein breiteres Versagen des Unternehmens, seine Sorgfaltspflichten bezüglich der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) einzuhalten. Das betrifft insbesondere die Vereinigungsfreiheit, den Schutz vor gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung und die Förderung des sozialen Dialogs. Als STAEDTLER Tochterunternehmen gelten in diesem Fall zudem die Verpflichtungen aus dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzt zur Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte
Die Gewerkschaft fordert die sofortige Wiederaufnahme der Treffen zur Einhaltung des Tarifvertrags und der Stärkung der Arbeitsbeziehungen auf Basis von Transparenz und gutem Willen.
STAEDTLER hat 2024 die Internationale Rahmenvereinbarung mit der BHI und der IG Metall gekündigt, die seit 2006 einen aktiven Beitrag zur Einhaltung und Überwachung der internationalen Standards geleistet hatte. Die BHI und die IG Metall bekräftigen, dass sie die Situation in Peru dennoch genau beobachten und ihre Mitgliedsorganisation weiterhin bei der Verteidigung der Arbeitnehmer:innenrechte unterstützen wird. Das geschieht unter anderem durch Gespräche mit dem Unternehmen auf internationaler Ebene und falls notwendig, durch Einbeziehung relevanter nationaler und globaler Mechanismen, um die Einhaltung der Arbeitsrechte und der Vereinigungsfreiheit zu gewährleisten.