1 October 2026

IM VORFELD DER WAHLEN IN BRASILIEN UNTERSTÜTZEN GEWERKSCHAFTEN AUS DEM AMAZONASGEBIET LULA

Die BHI steht an der Seite der Gewerkschaften im Amazonasgebiet, die sich für die Wiederwahl von Lula und für einen Kongress einsetzen, der sich für die Beschäftigten engagiert.

Unter der Führung seiner brasilianischen Mitgliedsorganisationen betreibt das Amazonas-Gewerkschaftsnetzwerk (ATUN), ein von der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) koordinierter Gewerkschaftsverbund, Mobilisierungsarbeit für die Wiederwahl von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sowie für die Wahl arbeitnehmerfreundlicher Kandidaten in den Kongress.

In einer politischen Erklärung, die von 40 Gewerkschaften aus sechs Ländern (Brasilien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Bolivien und Suriname) unterzeichnet wurde, erklärte ATUN, dass eine progressive Regierung und ein progressiver Kongress in Brasilien für eine nachhaltige Entwicklung des Amazonasgebiets unerlässlich seien. 

Fünf zentrale Forderungen 

Auf seinem 4. Planungsseminar im August in Manaus verabschiedete das ATUN einen Zweijahres-Aktionsplan, dessen Schwerpunkte Klimagerechtigkeit und menschenwürdige Arbeit sind. Die Erklärung enthält fünf zentrale Forderungen: 

  1. Eine Agenda für menschenwürdige Arbeit im Amazonasgebiet: Klauseln zu menschenwürdiger Arbeit, Vereinigungsfreiheit und die IAO-Übereinkommen sollen in allen Klimafonds und Entwicklungsprojekten in der Region verbindlich vorgeschrieben werden.
  2. Verstärkte Kontrollen und Durchsetzung: Wiederherstellung der Haushaltsmittel und Kapazitäten für Arbeitsaufsichtsbehörden und Umweltbehörden zur Bekämpfung von Zwangsarbeit, Kinderarbeit und illegalen Aktivitäten.
  3. Beteiligung der Gewerkschaften am gerechten Wandel: Garantierte Arbeitnehmervertretung in Gremien zur Klimapolitik, wie dem Lenkungsausschuss des Amazonienfonds (COFA) und der Tropical Forest Forever Facility (TFFF).
  4. Nachhaltige Wertschöpfungsketten im Forstbereich: Förderung nachhaltiger Waldbewirtschaftung und ökologischer Renaturierung sowie Einsatz von zertifiziertem Holz im öffentlichen Bauwesen und im sozialen Wohnungsbau.
  5. Schutz von Territorien und Gewerkschaftsrechten: Sicherung der Territorialrechte indigener Völker, der Quilombola und traditioneller Gemeinschaften sowie Schutz von führenden und anderen Gewerkschaftsmitgliedern vor Einschüchterung, Verfolgung und Morddrohungen.

Was in Brasilien auf dem Spiel steht 

Brasilien nimmt den größten Teil des Amazonasbeckens ein, und die dortigen Präsidentschaftswahlen könnten die Zukunft des gesamten Kontinents prägen. Die Wahl fällt zwischen einem Projekt des demokratischen Wiederaufbaus, der sozialen Gerechtigkeit und der gesamtamazonischen Integration einerseits und einem rechtsextremen Projekt andererseits, das mit einer Entwaldung in Rekordausmaß, illegalem Bergbau und der Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte einhergeht.

ATUN legt den Schwerpunkt auf die Mobilisierung an der Basis: Organisierung an Arbeitsplätzen, in Stadtrandgebieten und Gemeinden sowie Gespräche mit Beschäftigten und ihren Familien darüber, wie sich politische Entscheidungen auf ihr Leben, ihre Löhne und ihre Gesundheit auswirken. Die gewerkschaftliche Organisierung stärkt die Demokratie in der Region.

Eine Region, die einen Rechtsruck erlebt

In der gesamten Region schwächen rechtsextreme und ultraliberale Kräfte den Umwelt- und Arbeitsschutz, lockern die Grundstücksvorschriften und öffnen den Amazonas für den Rohstoffabbau. Die Folge sind Gewalt gegen führende Vertreter*innen der Gemeinden, verschmutzte Flüsse und sich verschlechternde Lebensbedingungen.

  • Peru: Die Regierung von Keiko Fujimori steht auf der Seite des Bergbaus, der Agrarindustrie und der Finanzwirtschaft. Lockerere Umweltauflagen und weniger strenge Arbeitsaufsicht drohen, den illegalen Holzeinschlag und Bergbau, die Schuldknechtschaft und den Drogenhandel im peruanischen Amazonasgebiet weiter zu verschärfen. 
  • Kolumbien:Abelardo de la Espriellas Wahlprogramm umfasst neue Öl- und Gaserkundungen, neue Verträge über Kohlenwasserstoffe und Pilotprojekte zum Fracking, wodurch Fortschritte bei der Bekämpfung der Entwaldung, der vorherigen Konsultation sowie der Sicherheit von Umweltaktivist*innen und führenden Gewerkschaftsmitgliedern gefährdet werden.
  • Bolivien: Nach zwei Jahrzehnten unter einer progressiven Regierung verfolgt eine neue liberal-konservative Regierung nun eine Politik der Deregulierung und ebnet damit den Weg für die Ausweitung von Landwirtschaft und Viehzucht sowie das Entstehen von Waldbränden, die eine Bedrohung für die Gebiete der indigenen Bevölkerung und die Landarbeiter darstellen.
  • Ecuador: Unter Daniel Noboa werden der anhaltende Ausnahmezustand, die Militarisierung und die Sparpolitik dazu genutzt, den ecuadorianischen Amazonas für Öl- und Bergbauunternehmen zu öffnen und die Arbeitnehmerrechte zu untergraben. 

Beim Klimaschutz dürfen Beschäftigte und Gemeinden nicht außer Acht gelassen werden. Die Auswirkungen des Klimawandels im Amazonasgebiet treffen bereits Landarbeiter*innen, Gemeinden und indigene Völker. 

Der Amazonas ist weder ein unbewohntes Naturschutzgebiet noch ein Rohstofflager: Es leben dort Menschen. Menschen, deren Arbeit dazu beiträgt, Leben zu erhalten und das Biom zu schützen.

Ohne Souveränität, Demokratie und menschenwürdige Arbeit gibt es keine Zukunft für den Amazonas.

Hinweise für die Redaktion 

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