21 May 2026

SERBIEN: GEWERKSCHAFTEN DRÄNGEN AUF DEKARBONISIERUNG UND ARBEITNEHMERSCHUTZ IN DER ZEMENTINDUSTRIE

Gewerkschaftsführer und Branchenvertreter trafen sich am 23. April in Smederevo zu einem Seminar über Dekarbonisierung und Arbeitnehmerrechte in der Zement- und Bauindustrie. Die Veranstaltung wurde von der Gewerkschaft der Beschäftigten in der Bau- und Baustoffindustrie im Vorfeld des diesjährigen Internationalen Gedenktags für die Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten organisiert und stand unter dem Motto „Menschenwürdige Arbeit und gerechter Strukturwandel in der Baustoffindustrie“. Die Teilnehmer diskutierten zudem die Schlussfolgerungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die Ergebnisse des kürzlich in Chișinău abgehaltenen BHI-Seminars für Eurasien. Die BHI und die ACV BIE Belgien unterstützten die Veranstaltung.

Eines der Hauptthemen war die Dekarbonisierung der Zementindustrie und der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der Europäischen Union. Sreten Obrenović vom Zementwerk Moravacem, das zur CHR-Gruppe gehört, erläuterte die Bemühungen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen durch neue Technologien, bessere Energieeffizienz und alternative Brennstoffe. Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, dass diese Veränderungen auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Qualifikationen und die Arbeitsorganisation haben würden, und forderten einen intensiveren sozialen Dialog sowie die Aufnahme von Maßnahmen für einen gerechten Strukturwandel in nationale Gesetze und Tarifverträge.

Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars lag auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, insbesondere für Arbeitnehmer im Freien, die extremer Hitze ausgesetzt sind. Die Teilnehmer erhielten eine Schulung zur Prävention von Hitzebelastung und diskutierten globale Maßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmern vor hohen Temperaturen. Gewerkschaftsvertreter hoben die jüngsten Änderungen am serbischen Arbeitsschutzgesetz hervor, wonach Arbeitgeber nun verpflichtet sind, Präventivmaßnahmen für Arbeiten im Freien bei extremer Hitze und Kälte einzuführen. Sie schlugen außerdem vor, einen nationalen Gewerkschaftskoordinator für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Sicherheitsausschüsse in Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten einzurichten.

Die Teilnehmer äußerten zudem Bedenken hinsichtlich des in Serbien vorgeschlagenen Gesetzes über die Arbeitspraxis, das Praktikanten als neue Kategorie von Arbeitnehmern im Bausektor einführen würde. Nach dem Gesetzentwurf könnten Praktikanten bis zu sechs Monate lang in Vollzeit arbeiten, ohne formellen Beschäftigungsstatus oder Anspruch auf Krankengeld. Gewerkschaftsvertreter warnten, dass diese Maßnahme den Arbeitnehmerschutz schwächen und neue Sicherheitsrisiken in der Bauindustrie schaffen könnte. Das Seminar endete mit dem Aufruf, den sozialen Dialog unbedingt fortzusetzen, um die Arbeitnehmerrechte zu schützen und einen fairen Wandel in der Branche zu gewährleisten.