18 May 2026
BHI-EURASIA-ZEMENTNETZWERK STÄRKT GESCHLOSSENHEIT FÜR GERECHTEN STRUKTURWANDEL
Gewerkschaftsführer aus ganz Osteuropa, Zentralasien und dem Kaukasus trafen sich vom 7. bis 9. April 2026 in Chișinău, Moldawien, zum BHI-Zementseminar für die Region Eurasien und bekräftigten ihr Engagement für menschenwürdige Arbeit, stärkere Gewerkschaften und einen gerechten Wandel in der sich rasch ändernden Zementindustrie. An diesem Seminar, das am Institut für Arbeit der Gewerkschaften Moldawiens stattfand, nahmen Gewerkschaftsvertreter aus Belgien, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Rumänien, Serbien und der Ukraine teil. Das Seminar war darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit zu stärken, sich über Organisationsstrategien auszutauschen und zukünftige Maßnahmen an den Schlussfolgerungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 2024 zu menschenwürdiger Arbeit und einem gerechten Übergang im Baustoffsektor, einschließlich Zement, auszurichten.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand das Ziel, dass die Dekarbonisierung der Industrie und der Übergang zu einer umweltorientierten („grünen”) Wirtschaft nicht auf Kostender Arbeitnehmerrechte gehen darf. Die Teilnehmer betonten, dass es unerlässlich ist, dass Arbeitsplätze sicher sind, Tätigkeiten angemessen eingestuft werden und dass Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie ein echter sozialer Dialog auf allen Ebenen gegeben sind. Die Delegierten hoben zudem die Bedeutung von Tarifverhandlungen für die Bewältigung des technologischen Wandels und der industriellen Diversifizierung hervor und forderten Regierungen und Arbeitgeber auf, öffentliche Mittel, das öffentliche Beschaffungswesen und industrielle Investitionen an die strikte Einhaltung von Arbeitsrechten, Arbeitsschutz- und Umweltstandards in den gesamten Lieferketten und Subunternehmernetzwerken zu knüpfen.
Länderberichte unterstrichen sowohl gemeinsame als auch spezifische Herausforderungen in der gesamten Region. Gewerkschaften in Georgien befassen sich mit Staubbelastung und den Auswirkungen neuer Technologien in Zementwerken. Gleichzeitig sieht sich Kasachstan trotz einiger Fortschritte bei Tarifverträgen weiterhin mit einer schwachen Durchsetzung von Arbeits- und Umweltstandards, niedrigen Löhnen und ernsthaften Risiken für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (OSH) konfrontiert. Rumänien und Serbien berichteten von einem stärkeren sozialen Dialog und verbesserten Tarifverhandlungsstrukturen, obwohl beide Länder mit einer alternden Erwerbsbevölkerung und Schwierigkeiten bei der Gewinnung jüngerer Arbeitskräfte zu kämpfen haben. In der Ukraine legen die Gewerkschaften angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen des Krieges auf die Arbeitskräfte weiterhin den Schwerpunkt auf Arbeitssicherheit und Qualifizierung. Die Teilnehmer besprachen zudem das Beispiel des Go4Zero-Projekts von Holcim in Obourg (Belgien), das zeigt, wie Dekarbonisierung mit Arbeitsplatzsicherung, hohen Arbeitsschutzstandards und aktiver Arbeitnehmerbeteiligung einhergehen kann. All dies wurde teilweise durch einen Zuschuss aus dem Innovationsfonds der Europäischen Union unterstützt. Die Teilnehmer besuchten darüber hinaus das Holcim-Materialprüflabor in Chișinău (Moldawien), wo sie moderne Qualitätskontrollsysteme, Sicherheitsverfahren und Innovationsprozesse in der Zementproduktion kennenlernten, darunter LOTOTO-Sicherheitssysteme (Lockout/Tagout) und laufende Dekarbonisierungsinitiativen. Die Diskussionen während des Besuchs machten deutlich, dass technologische Modernisierungen mit einer soliden Ausbildung der Arbeitnehmer und einem wirksamen sozialen Dialog einhergehen müssen.
Pierre Cuppens, der Vorsitzende des internationalen Zementnetzwerks der BHI, betonte, dass die Arbeitnehmer eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des industriellen Wandels spielen müssen. „Der gerechte Strukturwandel wird nur dann gelingen, wenn die Arbeitnehmer durch eine starke Gewerkschaftsorganisation auf Betriebsebene und in der gesamten Zement- und Baustoffindustrie voll einbezogen werden. Nur dann können Tarifverhandlungen und der soziale Dialog den technologischen Wandel wirksam gestalten und menschenwürdige Arbeit schützen. Die Schlussfolgerungen der ILO zu menschenwürdiger Arbeit und gerechtem Strukturwandel im Zementsektor müssen nun von den Regierungen und allen Sozialpartnern umgesetzt werden, und es ist wichtig, dass unser Netzwerk erste Folgemaßnahmen auf nationaler und betrieblicher Ebene identifiziert und geplant hat“, sagte er.
Victor Talmaci, Präsident des Gewerkschaftsverbands der Bau- und Baustoffarbeiter SINDICONS Moldawien, betonte unterdessen, dass die Methoden der gewerkschaftlichen Aufbauarbeit in der gesamten Branche modernisiert werden müssen. „Dieses Seminar zeigt, dass Zementarbeiter in allen Ländern vor gemeinsamen Herausforderungen stehen. Unsere Priorität ist es, die Arbeitnehmer auf Werksebene mithilfe innovativer Ansätze effektiver zu organisieren und die Gewerkschaftsmitgliedschaft im gesamten Baustoffsektor, der das Rückgrat der Bauwirtschaft bildet, zu erhöhen. Nur durch die Stärkung und Modernisierung der gewerkschaftlichen Aufbauarbeit können wir einen gerechten Strukturwandel gewährleisten, der alle Arbeitnehmer einbezieht“, sagte er.