6 February 2026
BHI TRIFFT PALÄSTINENSISCHE GEWERKSCHAFTSFÜHRENDE IN AMMAN FÜR EINEN FOKUS AUF DIE BESCHÄFTIGTEN IN DER SICH VERSCHÄRFENDEN KRISE
Nachdem ihr die Einreise in das Westjordanland verweigert worden war, führte eine Delegation der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI), der Mitglieder aus Südafrika (NUM), Belgien (FGTB-ABVV), Frankreich (CGT) und Spanien (CCOO Habitat) angehörten, am 3. Februar in Amman eine Reihe von Gesprächen mit Beauftragten des palästinensischen allgemeinen Gewerkschaftsbundes (PGFTU), die aus Palästina angereist waren. Gastgeber des Treffens war der arabische Gewerkschaftsbund (ATUC), darunter auch die Generalsekretäre des jordanischen allgemeinen Gewerkschaftsbundes und der jordanischen Bauarbeitergewerkschaft. Die ursprünglich in Ramallah geplanten Treffen mit dem palästinensischen Arbeitsminister und Beauftragten des IAO-Büros in Jerusalem wurden virtuell durchgeführt.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen der Zusammenbruch der Arbeits- und Lebensgrundlagen im Gazastreifen und im Westjordanland, die Lage der Beschäftigten im Bau und in anderen Sektoren seit dem 7. Oktober sowie die anhaltende Diskrepanz zwischen den Diskussionen auf hoher Ebene über die Zukunft des Gazastreifens und der Lebenswirklichkeit der palästinensischen Beschäftigten. Die Teilnehmenden wiesen darauf hin, dass derzeit kein Wiederaufbau stattfindet und dass über die Beschäftigten als zukünftige Arbeitskräfte gesprochen wird, ihre Perspektiven, ihre Rechte und ihre unmittelbaren Überlebensbedürfnisse dabei jedoch nicht berücksichtigt werden.
Arbeit und Lebensunterhalt im Gazastreifen und im Westjordanland stehen vor einem beispiellosen Zusammenbruch, verursacht durch Massenarbeitslosigkeit, weit verbreitete Zerstörung und schwerwiegende Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und des Materialflusses. Seit dem 7. Oktober haben mehr als 200 000 palästinensische Beschäftigten ihren Zugang zu einer Arbeitserlaubnis verlosen, und die Arbeitslosigkeit hat im Gazastreifen rund 85 % und im Westjordanland fast 30 % erreicht.
Im Westjordanland schränken mehr als tausend permanente und Ad-hoc-Kontrollpunkte, Straßensperren und Tore die Bewegungsfreiheit stark ein, so dass es für viele Beschäftigten so gut wie unmöglich ist, potenzielle Arbeitsplätze zu erreichen, auch wenn diese vorhanden sind. Menschen, die eine Beschäftigung suchen, werden verhaftet, verletzt oder getötet, während die undokumentierte und informelle Arbeit unter immer prekäreren Bedingungen zunimmt. Im Gazastreifen wurde durch die Zerstörung von Infrastruktur, Wohnungen, Krankenhäusern, Schulen und Berufsbildungszentren den Menschen die Arbeit, die Möglichkeit, zu lernen und das Gefühl, ein normales Leben zu leben, genommen, ihre Kaufkraft beinahe vollständig untergaben und ihre Menschenwürde schwer verletzt.
Trotz des anhaltenden Engagements der internationalen Akteure sind die institutionellen Maßnahmen nach wie vor sehr begrenzt. Palästinensische Ministerien, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände stehen nach wie vor unter extremem Druck, da die Grenzschließungen die Einfuhr von Zement, Maschinen und grundlegenden Baumaterialien verhindern. IAO, UNDP, UNEP und andere UN-Organisationen führen zwar rasche Bedarfsanalysen durch, koordinieren Maßnahmen zur Bereitstellung von Unterkünften und unterstützen Notbeschäftigungsinitiativen, doch aufgrund mangelnder Bewegungsfreiheit, Zugang, klarer Regierungsführung und institutionellem Raum ist das Ausmaß und die Nachhaltigkeit der Maßnahmen grundlegend eingeschränkt. Kurzfristige Notbeschäftigungsprogramme haben eine vorübergehende Entlastung gebracht, aber die wirtschaftliche Erholung ist weiterhin strukturell blockiert.
Berufliche Bildung, Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen und ein klare Verpflichtung, Arbeitsplätze für Palästinenser*innen zu schaffen, wurden bei den Treffen als wichtige Prioritäten genannt, insbesondere für Jugendliche und vertriebene Beschäftigte. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von über 40 % im Westjordanland und fast 100 % im Gazastreifen und der Tatsache, dass mehr als 80 % der Hochschulabsolvierenden keine Arbeit finden, wiesen Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen auf die dringende Notwendigkeit hin, Berufsbildungszentren zu rehabilitieren, vorhandene Qualifikationen zu erfassen und die Fähigkeit der Beschäftigten, ihren eigenen Lebensunterhalt zu sichern, zu schützen.
Zu den diskutierten Vorschlägen gehörten die arbeitsintensive Beseitigung von Trümmern unter sicheren Bedingungen, die Schulung von Auftragnehmer*innen in den Bereichen menschenwürdige Arbeit sowie Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und die systematische Einbeziehung des Arbeitsschutzes in alle künftigen Investitionen. Die Teilnehmenden betonten, dass jede Diskussion über den Wiederaufbau auf palästinensischen Eigentumsrechten, Arbeitnehmerrechten, Landrechten und dem Recht der Gemeinden auf Verbleib beruhen muss und nicht auf abstrakten Plänen, die sich von den aktuellen Gegebenheiten abheben.