25 June 2026

BHI-Ländergruppe 10: GEWERKSCHAFTEN STELLEN SICH AUF TECHNOLOGISCHE HERAUSFORDERUNGEN EIN UND SETZEN SICH WEITERHIN FÜR DIE VERTEIDIGUNG DER RECHTE EIN

Gewerkschaftsführer der BHI "Ländergruppe 10“ trafen sich am 17. Juni 2026, um sich über wichtige Entwicklungen auszutauschen, die die Arbeitnehmer in ganz Südosteuropa betreffen, und um sich auf den 6. BWI-Weltkongress in São Paulo, Brasilien, vorzubereiten. Gewerkschaftsführer aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Nordmazedonien und Serbien erörterten gemeinsame Herausforderungen, mit denen Arbeitnehmer in der Bau-, Baustoff-, Forst- und Holzindustrie konfrontiert sind.

Die zunehmenden Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) auf die Arbeitswelt wurden ausführlich diskutiert. Serbische Gewerkschafter betonten, wie wichtig es sei, Arbeitnehmer und Gewerkschaften über künstliche Intelligenz und deren mögliche Auswirkungen auf die Beschäftigung, die Qualifizierung und die Arbeitsbedingungen aufzuklären. Sie waren sich einig, dass Gewerkschaften sich proaktiv mit dem technologischen Wandel auseinandersetzen müssen, um sicherzustellen, dass die Digitalisierung den Arbeitnehmern zugutekommt und nicht menschenwürdige Arbeit und Arbeitnehmerrechte untergräbt. Das kürzlich verabschiedete ILO-Übereinkommen Nr. 193 wurde als wichtiger Bezugspunkt für die Zusammenarbeit mit Regierungen auf nationaler Ebene hervorgehoben.

Auch die Frage der Löhne war ein zentrales Diskussionsthema, insbesondere in Nordmazedonien, wodie Gehälter vielerArbeitnehmer nach wie vor nicht ausreichen, um einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten. Die Gewerkschaftsvertreter bekräftigten ihr Engagement dafür, durch Tarifverhandlungen Lohnerhöhungen durchzusetzen, um branchenübergreifend gerechtere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. Die Teilnehmer wiesen zudem auf die anhaltenden Herausforderungen bei der gewerkschaftlichen Organisation von Beschäftigten multinationaler Unternehmen hin, die in der gesamten Region tätig sind, darunter Enka und Bechtel, und betonten die Notwendigkeit einer intensiveren Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen. Sie brachten ihre Erwartung zum Ausdruck, dass BWI die Organisierungsbemühungen weiterhin unterstützen werde, unter anderem durch den Dialog und die strategische Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen und Projektfinanzierern, die an großen Infrastrukturprojekten beteiligt sind, um zur Stärkungder Arbeitnehmerrechte und der gewerkschaftlichen Vertretung beizutragen.

Ein weiteres besorgniserregendes Thema ist der bezahlte Krankenurlaub. In Bosnien und Herzegowina (FBiH) wollen Arbeitgeber die Zahl der bezahlten Krankheitstage reduzieren und begründen dies damit, dass das System missbraucht werde. Die Gewerkschaften lehnen diesen Ansatz ab und weisen darauf hin, dass bei Missbrauch oft die Arbeitgeber selbst beteiligt sind, unter anderem in Fällen, in denen Arbeitnehmer, die sich im Krankenstand befinden, informell an anderer Stelle beschäftigt werden. Die Teilnehmer betonten, dass jede Reform die Rechteder Arbeitnehmer aufGesundheits- und Sozialschutz stärken und nicht schwächen dürfe, insbesondere in Ländern, die bereits mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen haben.

Die Teilnehmer der Sitzung wurden zudem über die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz in Kroatien informiert. Die neuen Vorschriften verpflichten Arbeitgeber dazu, in Stellenanzeigen Gehaltsspannen anzugeben, verbieten Fragen zumbisherigen Gehaltder Bewerber und führen strengere Meldepflichten hinsichtlich geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede ein. Die Gewerkschaften hoben die Lohntransparenz als wichtiges Instrument im Kampf gegen Diskriminierung und für gerechtere Löhne hervor, wobei viele Arbeitgeber bereits um Rat fragen, wie sie die neuen Anforderungen erfüllen können.

Darüber hinaus tauschten sich die BHI-Mitgliedsorganisationen über ihre Erfahrungen in den Bereichen Tarifverhandlungen, Arbeitsmigration, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie die Organisierung von Beschäftigten in multinationalen Unternehmen aus. Außerdem bekräftigten sie ihr Engagement für die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit und Koordination im Vorfeld des 6. BHI-Weltkongresses. Die Diskussionen spiegelten die gemeinsame Entschlossenheit der BHI-Mitgliedsorganisationen in der Region wider,die Arbeitnehmerrechte zu verteidigen und sich gleichzeitig auf die Herausforderungen und Chancen vorzubereiten, die sich aus dem technologischen Wandel, dem demografischen Wandel und den sich wandelnden Arbeitsmärkten ergeben.